RED

CLIENT: UNI-T
DramatikerInnen Festival 2018
TYPE: Urban Intervention
YEAR: 2018
LOCATION: GRAZ

Fotocredits: David Schreyer — www.schreyerdavid.com

 

 

RED

DramatikerInnen Festival 2018

„Rede“ - war das Kernthema des Dramatiker*Innenfestivals 2018 in Graz, das vom ebendort ansässigen Verein Uni-T initiiert wurde. Ein Teil der mehr oder weniger geplanten Performances fand im öffentlichen Raum statt – daher die Frage, die Anfang des Jahres an uns gerichtet worden war: „Wie kann man sich im Stadtraum, in der Öffentlichkeit überhaupt den Platz für eine Rede schaffen? Und was passiert, wenn der Ort an dem eine Rede gehalten wird, nicht immer derselbe ist? Denn die Stadt wollte dem Verein keinen fixen, gemieteten  Standort zur Verfügung stellen – es hätte vermutlich jemand mit einer mehr Gewinn einbringenden Veranstaltung daherkommen können. Also mussten wir uns die Frage stellen: wie viel öffentlicher Raum steht jemandem für etwas Mobiles, Auf- und Abbaubares denn überhaupt zu, ohne bei der Stadt um Erlaubnis ansuchen zu müssen?“ Wir haben dann herausgefunden, dass laut Strassenverkehrsordnung 80cm Breite bzw. Länge kein Problem darstellen. Das entspricht zum Beispiel der Breite eines Lastenrades und damit darf man auf allen Radwegen fahren und es auch in der Stadt nahezu überall abstellen. In der Höhe und das Gewicht betreffend konnten wir hingegen keine Vorgaben finden.

Die Dramatiker*Innen brauchten also eine oder mehrere „Bühnen“ für Performances zum Thema „Rede“, die im öffentlichen Raum einen gewissen Platz einnehmen konnten und beweglich waren, dabei aber nicht breiter als ein Lastenrad sein sollten und trotz beachtlicher Höhe nicht kippen würden. 

Während des Entwurfsprozesses haben wir uns im Dialog mit Uni-T für drei solche Bühnen entschieden. Zum Einen weil für uns das „Öffentliche Reden“ mit Mimik, Gestik und dem Sprechen – also drei Ausdrucksarten – in Zusammenhang steht, und zum Anderen konnten so mehrere Orte zugleich, aber unabhängig voneinander bespielt werden. Wir wollten es schaffen, dass jede der drei Bühnen durch ihre spezifische Stofflichkeit und Konstruktion jeweils eine der drei erwähnten Ausdrucksarten widerspiegeln würde. Sie sollten einerseits als Einzelobjekte, irgendwo in der Stadt stehend Raum einnehmen können, um ihn für die Schauspieler*Innen nutzbar zu machen, und andererseits auch in der Gruppe, zusammengestellt als Einheit mit ihren diversen stofflichen Eigenschaften Wirkung zeigen. In diesem Sinne wollten wir den Schauspielern*Innen ausdrucksstarke, räumlich wirksame Werkzeuge in die Hand geben, mit denen sie das Thema Rede interpretieren und darbieten können würden.  

Mit 80x80cm Grundfläche und einem 80cm hohen, auf Schwerlastrollen sitzenden, über 350 kg schweren Sockel und einem darüber liegenden ca. 2,80m hohen, bespielbaren Aufbau maßen die strahlend orange-roten Bühnen  ca. 3,60m an Höhe und ragten deutlich über die Köpfe der Passanten*Innen. Fast so als würde eine große Person auf den Schultern einer anderen großen Person stehen. Jede einzelne der Bühnen hatte über dem einheitlichen Sockel eine individuelle, stoffliche Eigenschaft, die unmittelbar mit ihrer Materialität und der damit einhergehenden Konstruktion in Verbindung stand. Dementsprechend unterschiedlich waren die Möglichkeiten, diese Bühnen für die Aufführung zu nutzen und mit ihnen zu agieren. Eine der drei Konstruktionen ließ sich zum Beispiel großzügig nach unten aufklappen und schaffte ringsherum Abstand zu den Zuhörern*Innen. Hinzu kam noch eine fast drei Meter hohe, rote Leiter, die sich bei geschlossenen Klappen im Inneren verbarg, und auf die man hoch über die Köpfe der Anwesenden steigen konnte. Die Zweite Bühne wiederum provozierte das genaue Gegenteil: leichte Stoffbahnen über die gesamte Aufbauhöhe gaben nur hie und da einen Blick ins Innere frei, wenn sie sanft im Luftzug wogen. Man musste eigentlich ganz nah hingehen und den Kopf hineinstecken, um zu sehen was sich im Inneren befand. Wenn nicht vorher schon der Schauspieler oder die Schauspielerin neckisch einen Arm, ein Bein oder gar den Kopf herausgestreckt hatte. Und die Dritte der fahrbaren Bühnen gab durch halb-transparente, rote Screens nur ein Zerrbild des Inneren preis. An jeder der vier gleich breiten Seiten war ein solcher Screen angebracht und sie ließen sich unabhängig voneinander – und dadurch auch unterschiedlich hoch, nach oben anstatt nach unten aufklappen und arretieren. Die bizarren, abstrakten Figuren die dabei entstanden wirkten als wären sie einem Science-Fiction Blockbuster entstiegen. 

Das Projekt „Red“ und die drei Bühnen die dabei entstanden sind, bildeten gemeinsam, mit den Bespielen durch die Akteure des DramatikerInnen-Festivals, einen Versuch, in der Stadt aktiv und gut sichtbar öffentlichen Raum einzunehmen. Aber immer mit der Absicht die Passant*Innen einzuladen und daran teilzuhaben zu lassen.