The Golden Bracket

Competition | 2nd Round
TYPE: PUBLIC SPACE
YEAR: 2015
LOCATION: GRAZ

 

 

 

Public Space

Tegetthoffbrücke, Graz

 

 

Es fehlt der notwendige Raum,
langsamere
Fortbewegungsarten 
als PKW's aufzunehmen.

Bewegungsmuster
Schnell, mit 50 meist 60 km/h oder langsam, im Schritttempo -  so überwinden wir die Distanz über die Tegetthoffbrücke. Sie wird in unterschiedlicher Geschwindigkeit, je nachdem ob mit dem Auto oder zu Fuß, überquert und gleich wieder verlassen. Radfahrer scheinen sie zu meiden,  denn sie teilen sich nur ungern ihre Fahrspur mit dem PKWs. Darüber hinaus führen die meisten Bewegungsströme, die den Stadtraum der naheliegenden Gassen, Straßen und Plätze durchfließen, an der Tegethoffbrücke vorbei.  Sie ist tatsächlich überwiegend durch den Autoverkehr mit der Stadt auf der jeweils anderen Murseite verbunden. Ihre direkte Nachbarin, die Hauptbrücke, lenkt und führt hingegen Menschen- und Fahrzeugströme über die Mur, die ihrerseits wie beiläufig unter der ganzen Situation hindurchfließt, vorbei am Kunsthaus und dem Murbeach.  

Bewegungsraum
Auf der Tegetthoffbrücke dagegen fehlt der notwendige Raum, um die Fortbewegungsarten aufzunehmen, die langsamer als der PKW-Verkehr sind und um die Möglichkeit zum Aufenthalt auf der Brücke anzubieten.  Da der stadtauswärts führende Verkehr über die Brücke eine deutlich geringere Häufigkeit als der stadteinwärts führende aufweist, reduzieren wir die Fahrspuren von vier auf insgamt drei. Wovon zwei in die Stadt hinein und eine aus ihr hinaus führen. Damit gewinnen wir auf der Seite der Brücke, die dem Schloßberg zugewandt ist, eine ganze Gehsteigbreite dazu. Als Attraktoren initiieren der Blick zum Uhrturm und dem Murbeach, sowie die Nähe zum Südtiroler- und Franziskanerplatz die Aneignung durch regelmäßige Frequentierung. Ein zusätzlicher städtischer Platz entsteht und wird im Alltag verortet. 

Qualitäten und Zonierung
Dieser zusätzliche, kaufkraftfreite Stadtraum bietet die Möglichkeit zum Durchqueren oder Aufenthalten, bedingt allerdings eine entsprechende Zonierung,  welche den Raum erkennbar den jeweiligen Funktionen zuordnet. Die Zonen  „Grünraum“ - „Möbel“ - „Freiraum“- „Fuß- und Radweg“ liegen in Streifen entlang der Längsausdehnung der Brücke nebeneinander. Der „Grünraum“ dient als Puffer und Schutz gegenüber dem Straßenverkehr und geht fließend in das „Möbel“ über. Dieses bietet Sitz- und Liegemöglichkeiten, Stauräume, Ablageflächen und eine Sitzstufe. Von dort aus überlickt man den „Freiraum“, der den Fuß-und Radfahrerstrom am „Fuß-und Radweg“ angenehm auf Distanz hält und als Zwischenraum zum Stehenbleiben und Kommunizieren dient. Zebrastreifen und Radfahrspuren,  die über die Kreuzungen auf beiden Murseiten führen und in kleine Plätze münden,  ermöglichen den Zugang zu den Zonen auf der Brücke.  Etwas außerhalb der Mitte wird ein dritter Platz ausgebildet. An den Wochenenden, an denen die Brücke zum Beispiel für den gesamten Verkehr gesperrt werden kann und als Marktplatz dient, verbindet dieser Platz die Aufenthaltszonen mit der Fahrbahn. Eine sanfte Höhenentwicklung die ihre Hochpunkte zwischen den Zugangsbereichen und dem mittleren Platz hat, akzentuiert diese räumliche Abfolge. Um die Bewegung durch die Stadt im Bereich des Kunsthauses, der Hauptbrücke und der Einmündung in den Franziskanerplatz  noch vielfältiger zu gestalten, denken wir optional noch eine Verbindung über eine Aussentreppe an, die das Murufer mit der Brücke auch vertikal verbindet. Dadurch schließt sich eine mögliche Kreisbewegung zwischen der Haupt- und Tegetthoffbrücke auf zwei Ebenen.

Materialität und Ausstattung
Jede Bewegungs- und Aufenthaltszone erhält ein Material, das die räumliche Aufenthaltsqualität in ihrer Optik und Haptik ergänzt. Beim  „Grünraum“ und dem „Möbel“ überwiegen Holz, verschiedene Gartenpflanzen und Bäume, bevor das eingefärbte Gummigranulat im „Freibereich“ die warme und weiche Holzoberfläche stark und anregend kontrastiert. Dieses nicht eindeutige „In-door“ oder „Out-door“ - Material fließt wie ein Querstrom zur Mur neben dem grauen, abgenützten Asphalt von einem Ende der Brücke zum anderen, wobei es sich noch ein Stück um die Kurve windet. Das Brückengeländer und die Straßenlaternen schimmern in mattem Gold, um die Veredelung der Stadt um sie herum anzuzeigen. Die Bäume, einige Schirme und ein Spalier aus Stäben mit abends beleuchteten Reflektoren betonen die Vertikale gegenüber der ausgeprägten horizontalen Ausdehnung der funktional differentierten Zonen. Für die abendliche Akzentuierung der Brücke sorgen im Grün-/Möbelbereich Reflektoren, die von unten  beleuchtet werden und so dieses Licht in die nähere Umgebung weiterleiten und diesem Aufenthaltsort eine angenehme Stimmung geben.